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Qualitätskostenanalyse
 
Claudia Brückner; Lothar Starke
 

Zu den Analysetechniken im Qualitätsmanagement zählen nicht nur klassische Werkzeuge wie die Q7. Ebenso wichtig ist das Instrument der Qualitätskostenanalyse (QKA). Mit ihr lassen sich anhand der Kostenrechnung Schwachstellen in der Produktion und am Produkt aufzeigen sowie Prüfkosten optimieren.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • welche Aufgaben und Ziele die Qualitätskostenanalyse hat,
  • was man unter Qualitätskosten versteht,
  • wie sich eine Qualitätskostenanalyse durchführen und auswerten lässt.

 

Aufgaben und Ziel der QKA

Mit den vielfältigen Aufgaben und Zielen nimmt die Qualitätskostenanalyse eine Sonderstellung zu den Analysenmethoden im QM ein:

  • Aufzeigen von Schwachstellen in der Produktion und am Produkt mit Hilfe der Kostenrechnung,
  • Kostensenkung, indem ermittelte Schwachstellen durch geeignete Maßnahmen beseitigt werden,
  • Einbringen des Kostenaspekts in die Qualitätsplanung,
  • Beurteilen von Qualitätsverbesserungen aus Sicht der Kosten; eine Veränderung der Qualitätskosten, bezogen auf den Umsatz zeigt deutlich eine Verbesserung oder Veränderung der Qualitätslage an; in gleicher Weise ist es möglich, die Effektivität durchgeführter Maßnahmen zu beurteilen,
  • Optimieren der Prüfkosten.

Qualitätskosten; Qualitätskostenarten

In DIN 55 350 werden Qualitätskosten als Kosten definiert, die vorwiegend durch Qualitätsforderungen verursacht sind, das heißt Qualitätskosten sind Kosten, die durch Tätigkeiten der Fehlerverhütung, durch planmäßige Qualitätsprüfungen und durch intern oder extern festgestellte Fehler verursacht werden.

Damit stellen sie die Differenz der Kosten dar, die sich aus den fiktiven Kosten für die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb eines Produktes ohne qualitätsrelevante Fehler und den tatsächlich vorhandenen Kosten ergibt. Sie sind damit keine Kenngröße für die Qualität oder das Qualitätsniveau. Man muss sie als einen Auszug oder eine Auswahl von Kosten aus dem vorhandenen betrieblichen Abrechnungssystem betrachten.

Der Aufwand an Qualitätskosten hat sich stetig entwickelt. Während ihr Anteil am Umsatz 1950 noch mit zwei bis drei Prozent beziffert wurde, waren für 1975 bereits fünf bis zehn Prozent und für 1985 zehn bis 15 Prozent ausgewiesen.

Üblicherweise erfolgt die Aufschlüsselung der Qualitätskosten in drei Kategorien:

  • die Fehlerkosten,
  • die Prüfkosten und
  • die Fehlerverhütungskosten.

Fehlerkosten sind alle Kosten, die aus fehlerhaften Prozessen oder durch fehlerhafte Produkte entstehen. Sie schließen alle in ihrer Folge auftretenden Kosten ein.

Man kann die Fehlerkosten in innerbetriebliche und außerbetriebliche untergliedern, da viele Fehler nicht während ihrer Entstehung, sondern erst später beim Kunden entdeckt werden. Häufige innerbetriebliche Fehlerkosten entstehen durch:

  • Ausschuss,
  • Mehr- und Nacharbeit, wiederholte Ausführung von Arbeiten,
  • Sortierprüfung,
  • Wiederholungsprüfung,
  • Wertminderung,
  • qualitätsbedingte Ausfallzeiten,
  • interne Problemuntersuchung,
  • sonstige interne Fehlerkosten.

Häufige externe Fehlerkosten entstehen durch:

  • Kundenbesuche bei Reklamationen,
  • Rücklieferungskosten,
  • Sortieraktionen beim Kunden,
  • Rückrufaktionen,
  • Garantieleistungen, Gewährleistung,
  • Kulanz,
  • Produzentenhaftung, Entschädigung,
  • Ausschuss- und Mehrarbeitskosten nach Rücklieferung oder beim Kunden.

Die Untergliederung in interne und externe Fehlerkosten ist auch aus Gründen einer klaren betriebswirtschaftlichen Erfassung erforderlich. Interne Fehler haben Auswirkungen auf die Produktivität des Unternehmens und verschlechtern direkt das Betriebsergebnis. Externe Fehler treten oft mit erheblichen zeitlichen Verschiebungen auf und können somit nicht periodengerecht in den Unterlagen erscheinen. Ein Lösungsansatz besteht darin, Wagniskosten einzusetzen, deren Höhe sich aus Fakten vergangener Perioden ableitet. Als Steuerinstrument innerbetrieblicher Vorgänge eignen sich externe Fehlerkosten somit nicht. Sie ermöglichen aber dem Management eine besonders effektive Teilbeurteilung des Qualitätsmanagement-Systems und sollten daher sorgfältig beachtet werden.

Prüfkosten sind alle Kosten, die bei der Durchführung von Qualitätsprüfungen entstehen sowie alle Kosten, die notwendig sind, die Voraussetzungen für die Prüfungen zu schaffen. Bei der Durchführung entstehen Personalkosten. Zu den Voraussetzungen gehören die Prüfmittel selbst, deren Instandhaltung und die Räumlichkeiten. Auch hier sollen interne und externe Prüfkosten unterschieden werden. Interne Prüfkosten beinhalten:

  • Personalkosten für alle Formen der Prüfungen Eingangsprüfung, Fertigungsprüfung, Endprüfung, Qualitätsprüfung bei eigener Außenmontage, Laboruntersuchungen im eigenen Hause,
  • Personalkosten für die Organisation des Qualitätswesens Prüfungsplanung, Prüfungsdokumentation,
  • Abschreibung für die Räume und Flächen zur Durchführung der Prüfungen und Laboruntersuchungen,
  • Abschreibung für die allgemeine Ausstattung Büromöbel
  • Verbrauchsmaterialien,
  • Abschreibung der Prüfmittel, Laborausstattung und weiterer Investitionen,
  • Personalkosten für die Instandhaltung und Überwachung der Prüfmittel sowie Kalibrierung im eigenen Hause,
  • sonstige Prüfkosten, zum Beispiel Weiterentwicklung des Prüfwesens.

Externe Prüfkosten sind:

  • Qualitätsgutachten und Abnahmeprüfungen durch behördliche oder freiwirtschaftliche Abnahmeinstitutionen, zum Beispiel TÜV,
  • Laboruntersuchungen,
  • Erstellung von Zeugnissen durch unabhängige Prüforganisationen,
  • externe Kalibrierung und Eichung von Prüfmitteln.

Die Ermittlung der Prüfkosten ist in vielen Fällen problematisch, wenn die Prüfungen vom Produktionspersonal vorgenommen werden. Man kann hier die Zeitanteile für die Prüfungen heranziehen. Eine weitere Problematik ergibt sich aus der zunehmenden Integration der Mess- und Regeltechnik in die Maschinen und Anlagen. Auch hier ist eine Abschätzung nur über den Preis und damit die Abschreibung unterschiedlich ausgestatteter Maschinen und Anlagen möglich. Häufig erlaubt eine Gegenüberstellung einer Neuinvestition mit der bisherigen Anlage eine Abschätzung des Aufwandes zur Qualitätssicherung.

Fehlerverhütungskosten fallen zur präventiven Sicherung der Produkt- oder Leistungsqualität an. Sie umfassen deshalb alle Personal- und sonstigen Kosten, die für Tätigkeiten, wie Fehlererkundung, -beseitigung und -verhütung aufgewendet werden müssen. Diese Tätigkeiten konzentrieren sich dabei nicht nur auf die Produktion und das Produkt, sondern wie das Qualitätsmanagement-System auf alle qualitätsrelevanten Prozesse und Abläufe im Unternehmen.

Zu den Fehlerverhütungskosten zählt man Aufwendungen, die nachstehenden Tätigkeiten zuzuordnen sind:

  • Qualitätsplanung,
  • Qualitätsförderungsmaßnahmen, Korrekturmaßnahmen, Implementierung und Weiterentwicklung des Qualitätsmanagement-Systems,
  • Qualitätsvergleiche mit dem Wettbewerb,
  • Lieferantenbewertungen,
  • Leitung des Qualitätswesens, QMB,
  • Analysentätigkeit,
  • Qualitätsfähigkeitsuntersuchungen Prozessfähigkeit, Maschinenfähigkeit,
  • Qualitätsaudits,
  • Schulung zur Qualitätssicherung,

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Dipl.-Kff. Claudia Brückner

Dipl.-Kff., ist Inhaberin der Firma CBC Claudia Brückner Consulting. Das Unternehmen unterstützt als strategischer Partner Unternehmen bei der konsequenten Ausrichtung auf ihr Managementsystem. Dabei geht es stets um ganzheitliche Unterstützungsangebote im Bereich des Qualitätsmanagements wie Optimierung der Geschäftsprozesse durch Prozessmanagement, Einführung und Weiterentwicklung von Managementsystemen vornehmlich nach DIN EN ISO 9001:2000 ISO/TS 16949:2002,VDA 6.X. Projektleitung oder Coaching bei Zertifizierungsvorbereitungen, Überprüfung des Managementsystems oder einzelner Prozesse durch interne Audits. Das Portfolio wird abgerundet durch systembegleitende Schulungen. Die Referenzen reichen von Unternehmen der Automobilzulieferindustrie und Logistik über Telekommunikationsunternehmen bis hin zu Bildungsträgern und Unternehmen der technischen Dokumentation. Der Fokus des Unternehmens liegt vorwiegend auf mittelständischen Unternehmen, aber auch große Konzerne und Non-Profit-Organisationen zählen zu den Kunden. Claudia Brückner ist zudem Herausgeberin und Autorin von Fachbüchern zum Qualitätsmanagement.
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Prof. Dr. Lothar Starke

Professor Dr.-Ing. habil. Lothar Starke (+) war während seiner beruflichen Laufbahn in der Luftfahrtindustrie und in der kunststoffverarbeitenden Industrie tätig. 1969 wurde er an die Technische Hochschule Merseburg zum Dozenten für das Lehrgebiet "Anwendungstechnik hochpolymerer Werkstoffe" und 1980 zum Ordentlichen Professor für Werkstoffeinsatztechnik berufen. 1992 ging er in Ruhestand. Er war viele Jahre auf dem Gebiet des Qualitätsmanagements tätig, darunter in Beratung von Unternehmen bei der Einführung von Qualitätsmanagement-Systemen, vorzugsweise aber die Ausarbeitung von Lehrmaterialien zur Ausbildung von QM-Beauftragten sowie deren Ausbildung in Weiterbildungskursen. In den letzten Jahren konzentrierte sich diese Tätigkeit auf das Qualitätsmanagement in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Professor Dr. Starke ist Autor einer Reihe von Fachbüchern auf den Gebieten der Kunststoffanwendung und des Kunststoffrecycling.
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