Ressourceneffizienz in der Produktion Von: Johannes Fresner, Thomas Bürki, Henning H. Sittel Hardcover 268 Seiten ISBN 978-3-939707-48-6 1. Auflage Erscheinungsjahr: 2009 EUR 44,00 (inkl. MwSt. und Versandkosten)
Ressourceneffizienz in der Produktion Kosten senken durch Cleaner Production Die Umsetzung der Idee von Cleaner Production in die Praxis
Ein Projekt zur Einführung von Cleaner Production im Unternehmen lässt sich am besten anhand einer detaillierten Roadmap mit entsprechendem Meilensteinkonzept durchführen. Ein solches Vorgehen erhöht Transparenz, Akzeptanz und Kontrolle und sichert damit den Umsetzungserfolg.
In diesem Beitrag erfahren Sie:
was man bei der Zusammenstellung des Projektteams beachten muss,
wer wann was machen sollte,
welche Meilensteine man der Planung zugrunde legen kann.
Widerstand gegen Veränderungen
Bei der Anwendung des Konzeptes von Cleaner Production muss man sich im Klaren darüber sein, dass viele Menschen Veränderungen in ihrem Arbeitsumfeld zunächst skeptisch gegenüber stehen. Quasi reflexartig wird auf Vorschläge, Prozesse anders zu gestalten oder Abläufe zu verändern, mit Argumenten wie den folgenden reagiert:
Wir haben das immer so gemacht, wieso sollten wir jetzt umstellen?
Vergessen Sie nicht, dass wir auch Geld verdienen müssen.
Ich weiß, dass das nicht geht.
Eine solche Idee werden Sie der Betriebsleitung nie verkaufen können.
Dafür sind wir zu groß/zu klein.
Das haben wir schon mal überlegt/versucht.
Unser Betrieb/unsere Situation ist anders.
Das wird sicher zu teuer.
Dafür haben wir keine Zeit.
Das bedeutet Arbeit.
Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt für solch eine Diskussion.
Das aktuelle Budget ist bereits verbraucht/überzogen.
Dafür haben wir nicht genug/nicht die richtigen Mitarbeiter.
Theoretisch klingt das gut, aber die Praxis ist anders.
Sie verstehen das Problem nicht ganz.
Das soll ein anderer zuerst versuchen.
Wir sind für diese Idee noch nicht reif.
Das passt nicht in unsere Langzeitstrategie.
Überlegen wir uns das doch besser später im Detail.
Sprechen Sie mit ..., der/die ist da zuständig.
Kennen Sie solche Sätze? Man nennt sie auch »Killerphrasen«, weil man mit ihrer Hilfe jede neue Idee effizient abblocken kann, ohne diese im Detail aufzugreifen und überlegen zu müssen, welche Aspekte im eigenen Umfeld sinnvoll, anwendbar und sogar erfolgversprechend wären.
Zu Beginn eines Cleaner Production Projektes wird man grundsätzlich mit solchen Problemen und Widerständen konfrontiert werden. In vielen Betrieben wird oft einfach das Potenzial nicht erkannt, das sich aus einer verbesserten Nutzung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen oder der eingesetzten Energie über das bestehende Maß hinaus ergeben kann. Schließlich hat doch der Hersteller der Anlage den Prozess als optimal beschrieben, als die Anlage installiert wurde was soll man daran also noch verbessern können? Es mag auch die Einstellung »Umweltschutz kostet nur« bestehen warum also sollte man sich dann noch damit beschäftigen?
Wie kann man nun mit solchen Einstellungen umgehen? Wie kann man vor diesem Hintergrund ein Projekt zur Analyse der Effizienz der betrieblichen Ressourcennutzung und zur Ausarbeitung von neuen Ideen für Prozesse und Abläufe durchführen?
Aus der Erfahrung der Autoren heraus sind vor allem vier Elemente wichtig, um ein erfolgreiches Projekt durchzuführen:
Ein Team im Betrieb
Eine detaillierte Projektplanung und ein effektives Projektmanagement
Eine Umweltpolitik
Eine klare Zuordnung von Kosten zu Abfällen und Emissionen
Bilden Sie ein Umweltteam im Unternehmen
Zu Projektbeginn sollte im Unternehmen ein Umweltteam gebildet werden, weil es in jeder Firma verschiedene Bereiche oder Anlagen gibt, über die sich einzelne Mitarbeiter alleine gar nicht den nötigen Überblick im Detail verschaffen können. Außerdem gibt es in der Regel engagierte und fachlich kompetente Mitarbeiter zu verschiedenen Umweltthemen in den einzelnen Bereichen, die so im Rahmen des Projektes die Möglichkeit bekommen zu zeigen, was sie eigentlich ohnehin schon immer verändern oder neu einführen wollten.
Wichtig ist es folglich insbesondere, für das Umweltteam eine gute Mischung aus engagierten Mitarbeitern zu finden, die in den verschiedenen Arbeitsbereichen und Schlüsselstellen tätig sind. Die folgende Auflistung zeigt die möglichen Abteilungen, aus denen man Mitarbeiter für ein Umweltteam »rekrutieren« kann:
Produktionsleitung weil dort in der Regel der beste Überblick über alle Prozesse und Abläufe mit Auswirkungen auf Abfälle und Emissionen besteht,
Wartung und Instandhaltung weil man dort die Anlagen und Gebäude aus der Perspektive der Hilfsstoffe, der Hilfsmedien und der Energieträger sowie die Regelung der Anlagen und deren Alter und wiederkehrende Gebrechen kennt,
Materialwirtschaft weil man dort die innerbetrieblichen Stoffströme lenkt und dokumentiert,
Einkauf weil man dort den Kontakt zu den Lieferanten hat und sowohl Mengen als auch Kosten kennt,
Verkauf weil man hier den Kontakt zu den Kunden hat und weiß, was die Kunden bezüglich Produkt, Qualität, Lieferzeit et cetera tatsächlich nachfragen,
Gebäudetechnik weil man hier unternehmensinterne Layouts kennt und die Medienversorgung in Stand hält,
Energie weil man hier die Anlagen zur Energiebereitstellung und die Lastprofile kennt sowie einen Überblick über Antriebe, Pumpen, Gebläse und über die Beleuchtung hat,
Umwelt weil man hier die Abfallwirtschaft, die Arbeitsstoffe und vorhandene Umweltanlagen Filter, Kläranlagen kennt,
Arbeitssicherheit weil man hier die Gefährlichkeit der Arbeitsstoffe kennt, die Evaluierung der einzelnen Arbeitsplätze erstellt hat und für Schulungen zuständig ist,
Qualitätssicherung weil man hier die Möglichkeiten und Grenzen der eigenen Anlagen kennt und die Häufigkeit von auftretenden Fehlern dokumentiert,
Buchhaltung weil hier Mengen und Kosten von Personal, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, Halbzeug und Energie erfasst werden,
Rechtsabteilung weil man hier Genehmigungen, Bescheide, Auflagen und die zutreffende Rechtsmaterie kennt,
Betriebsrat oder Betriebsarzt weil der in der Regel einen guten Kontakt zu den Mitarbeitern pflegt und sich meist gut als Multiplikator eignet,
Produktentwicklung weil man hier die Fertigungsverfahren auswählt und die Strategien für die Weiterentwicklung der eigenen Produkte kennt,
Geschäftsführung weil es für die Akzeptanz der Projektergebnisse wichtig ist, dass das Projekt auf gesamtbetrieblicher Ebene unterstützt wird, und weil Ressourcen in Form von Arbeitszeit ins Projekt eingebracht werden müssen.
Für die Größe und die genaue Zusammensetzung des Umweltteams sind natürlich die Größe und die Struktur des jeweiligen Unternehmens entscheidend. Im Allgemeinen wird man versuchen, drei bis sieben Mitglieder ins Team einzuladen. Nicht alle Teammitglieder müssen allerdings permanent, bei allen Aktivitäten dabei sein. Bei der Auswahl der Mitglieder sollte man sich auch überlegen, welche Abteilung welche Daten und Informationen, die man selbst nicht hat oder nicht leicht herausfinden kann, liefern kann. Dazu zählen sicher vor allem Einkauf, Buchhaltung, Technik/Produktion und Gebäudetechnik. Man sollte auch versuchen, bekannte innerbetriebliche Meinungsbildner in das Team zu integrieren.
Das Umweltteam wird gemeinsam einen leichteren Zugang zu den notwendigen Daten haben. Es bietet zudem eine Plattform, auf der Inkonsistenzen oder Widersprüche in den Daten rasch geklärt werden können. Nicht zuletzt ist das Umweltteam aber auch ein effizientes innerbetriebliches Kommunikationsmedium, um Informationen zum Beispiel über Chemikalien, über den Umgang mit Stoffen, über Lagervorschriften oder über Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten rasch und zielsicher im Betrieb zu verbreiten.
Die Auswahl des Projektleiters ist ebenfalls ein kritischer Schritt. In den meisten Fällen wird er oder sie der Umwelt- oder Abfallbeauftragte des Unternehmens sein. In den Verantwortungsbereich der Projektleitung fallen zweifelsohne die Koordination und Information aller Beteiligten sowie die Vertretung gegenüber der Geschäftsleitung. Dazu sollte der Projektleiter insbesondere im Umgang mit den eingesetzten Methoden vertraut sein, um kurzerhand Rückfragen klären und eventuell auftretende Schwierigkeiten lösen zu können.
[Die Leseprobe endet hier]
Dieser Inhalt kann zur Zeit nicht angezeigt werden
Die Umsetzung der Idee von Cleaner Production in die Praxis 15 S. € 7,50
Nach dem Kauf können Sie den Inhalt auf Ihren Computer herunter laden und unbegrenzt nutzen.
Wenn Sie Käufer einer Digitalen Fachbibliothek sind, steht Ihnen dieser Inhalt kostenlos zur Verfügung.
Dr. Johannes Fresner
Dr. Johannes Fresner Geboren 1963, studierte Verfahrenstechnik, seit 1991 Beratungstätigkeit im vorsorgenden Umweltschutz. Seit 1999 Geschäftsführer der STENUM GmbH in Graz, Österreich. Er arbeitete für über 200 Betriebe, darunter voestalpine Stahl Donawitz, Pengg, Peweag vorwiegend in Projekten zur Steigerung der Energieeffizienz, zur Reduktion des Wasserverbrauches, zur Abfallvermeidung und zum Aufbau von Umweltmanagementsystemen. Internationale Projekte in über 20 Ländern, darunter Korea, Indien, Brasilien, Südafrika. Trainer für UNIDO (United Nations Industrial Development Organisation) beim Aufbau verschiedener Cleaner Production Center (in Brasilien, Nicaragua, Kolumbien, Russland, Ukraine). In Österreich Mitarbeit bei der Entwicklung der PREPARE-Methode und des ÖKOPROFIT-Ansatzes. Der von ihm entwickelte ZERMEG Ansatz (Zero Emissions Retrofitting Approach for Existing Galvanizing Plants) wurde 2008 mit dem Österreichischen Staatspreis für Umwelttechnologie ausgezeichnet. mehr