Qm-Trends
Qualitätsmanagement für die Automobilindustrie
Grundlagen, Normen, Methoden     
Zertifizierung: Anforderungen und Ablauf
 
Claudia Brückner
 

Zertifizierungen in der Automobilindustrie sind für viele Unternehmen Voraussetzung, eine Lieferung bzw. Dienstleistung ausführen zu können. Seitdem die prozessorientierte Sicht eingeführt wurde, gibt es in den Audits keine Fragenkataloge mehr. Jeder Prozess wird nach verschiedenen Kriterien durchleuchtet.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • wie eine prozessorientierte Auditierung durchgeführt wird,
  • welche Aspekte in einem internen System- oder Zertifizierungsaudit wichtig sind,
  • wie ein Zertifizierungsablauf unter Beachtung der verschiedenen Normen vor sich geht.

 

Die prozessorientierte Auditierung

Die prozessorienterte Auditierung erfolgt nach bestimmten Kriterien, die bei jedem Prozess angewendet werden. Das bedeutet, dass keine Fragenkataloge mehr eingesetzt werden. Die Auditoren hinterfragen im Rahmen des Audits die Realisierung aller Forderungen aus der jeweiligen Norm. Diese Anforderungen müssen in verschiedenen Prozessen realisiert werden.

In den Automobilnormen sieht die gesamte Automobilindustrie eine riesige Chance, nämlich den wachsenden Kostendruck mit systematischer Leistungssteigerung aller Prozesse nicht nur der Produktionsprozesse bei Beibehaltung der erforderlichen Qualität beziehungsweise Wirksamkeit der Prozesse zu erreichen.

Ein Prozess charakterisiert sich durch nachfolgend aufgeführte Indikatoren. Die Grundlage für diesen Auditansatz bildet der so genannte »VDA-Turtle«, der in Abbildung 1 grafisch veranschaulicht wird.

  • Womit wird der Prozess ausgeführt Ressourcen?
  • Wer führt den Prozess aus Qualifizierung der Mitarbeiter?
  • Welche Vorgaben hat der Prozess?
  • Welchen Input hat der Prozess?
  • Welchen Output liefert der Prozess?

Alle Prozesse werden durch Input, Output und die Festlegung des Prozesseigners charakterisiert. Der Prozessverantwortliche muss über entsprechende Befugnisse verfügen, um den Prozess lenken zu können.

Abb. 1:

VDA-Turtle

Was muss für ein Zertifizierungsaudit beziehungsweise Internes Systemaudit nachgewiesen werden?

Es gibt verschiedene Punkte, auf die bei Zertifizierungsaudits ein besonderes Augenmerk gelegt wird. Diese Punkte ziehen sich durch alle Prozesse des Unternehmens.

Normabschnitt 4.1 Allgemeine Anforderungen
  • Der Fokus wird auf den Regelkreis überwachen, messen, analysieren und erforderliche Maßnahmen einleiten, durchführen und überwachen gelegt.
  • Eine systematische Verbesserung der definierten Prozesse. Diese Systematik wird mit der Messbarkeit von Prozessen erreicht.
Normabschnitt 4.2 Dokumentationsanforderungen
  • Gibt es ein QMH mit einer Beschreibung des Geltungsbereichs, der Ausschlüsse, mit den von der Norm geforderten dokumentierten Prozesse?
  • Hinweise zu den notwendigen Prozessen und Verfahren
  • Dokumentation der Prozesse
  • Darstellung der Wechselwirkung der Prozesse
  • Auflistung aller gültigen Vorgabedokumente, Kundenanforderungen, gesetzlichen und behördlichen Anforderungen
  • Beschreibung des Änderungsmanagements
Normabschnitt 5.1 Verpflichtung der Leitung
  • dokumentierte Qualitätspolitik
  • aus der Qualitätspolitik abgeleitete Qualitätsziele
  • bewertete Qualitätsziele Effektivität
Normabschnitt 5.2 Kundenorientierung
  • Ermittlung und Bewertung der Kundenanforderungen
  • Bewertung der Kundenzufriedenheit
  • Ausrichtung der Prozesse auf den Kunden Abfrage durch das Management-Review
  • Bereitstellung von Ressourcen zur Erlangung der Kunden-zufriedenheit
  • Qualifikation der Mitarbeiter
Normabschnitt 5.3 Qualitätspolitik
  • Ist die Ableitbarkeit der Qualitätsziele aus der Qualitätspolitik gegeben? Tipp: jedem Punkt der Qualitätspolitik ein Qualitätsziel zuordnen
  • Bewertung der Angemessenheit der Qualitätspolitik durch das Management-Review
Normabschnitt 5.4 Planung des QM-Systems
  • Kaskadierung der Qualitätsziele Qualitätspolitik -> Qualitätsziele -> Bereichsziele -> Prozessziele -> evtl. Mitarbeiterziele
  • Berücksichtigung der Qualitätsziele im Geschäftsplan
Normabschnitt 5.5 Verantwortung, Befugnis und Kommunikation
  • Ernennung QMB
  • Ernennung Beauftragter für den Kunden
  • Sind alle Verantwortungen vergeben Stellenbeschreibungen, Funktionsbeschreibungen, Organigramm?
  • Sind alle Kommunikationswege beschrieben zum Beispiel Kommunikationsmatrix?
Normabschnitt 5.6 Managementbewertung
  • Ist das Intervall für die Durchführung der Managementbewertung festgelegt?
  • Wird die Managementbewertung gemäß der zeitlichen und der Norm-Vorgabe durchgeführt?
  • Wird Änderungsbedarf von der Unternehmensführung festgestellt?
  • Gibt es Möglichkeiten für Verbesserungen?
  • Wird die Kundenzufriedenheit bewertet?
  • Gibt es tatsächliche Feldausfälle?
  • Wird die Managementbewertung durch die oberste Leitung durchgeführt?
  • Enthält die Managementbewertung Maßnahmen mit Einfluss auf die Ressourcen und geht diese als Input in die Geschäftsplanung ein?
Normabschnitt 6.2 Personelle Ressourcen
  • Wird die Personalkapazität geplant?
  • Wird die Qualifikation der Mitarbeiter geplant?
  • Gibt es einen Soll-Ist-Abgleich bei der Schulungsplanung?
  • Wird die Wirksamkeit von Schulungen und Unterweisungen festgestellt?
  • Sind alle Mitarbeiter eingewiesen?
  • Wurden arbeitsplatzbezogene Schulungen geplant und durchgeführt?
  • Sind den Mitarbeitern die Fehlerfolgen intern und extern bewusst?
Normabschnitte 6.3 Infrastruktur und 6.4 Arbeitsumgebung
  • Sind alle Komponenten der Infrastruktur berücksichtigt Gebäude und Arbeitsräume, Versorgungseinrichtungen und Prozessausrüstungen, unterstützende Dienstleistungen?
  • Sind alle gesetzlichen Forderungen erfüllt zum Beispiel UVV-Schulungen, Arbeitssicherheit?
  • Gibt es Begehungen einer Fachkraft für Arbeitssicherheit?
  • Sind ausreichend Ersthelfer ausgebildet?
Normabschnitt 7.1 Planung der Produktrealisierung
  • Wird eine Qualitätsvorausplanung durchgeführt zum Beispiel APQP?
  • Gibt es Projektpläne mit Meilensteinen?
  • Gibt es einen Produktions- beziehungsweise Dienstleistungslenkungsplan?
  • Werden Änderungen zum Beispiel Zeichnungsänderungen gelenkt?
  • Werden produktspezifische und produktionsprozessbezogene Indikatoren bewertet?
Normabschnitt 7.2 Kundenbezogene Prozesse
  • Sind alle Kundenanforderungen, gesetzlichen und behördlichen Anforderungen bekannt und bewertet zum Beispiel Liste?
  • Werden alle Anforderungen umgesetzt?
  • Werden Kundenanforderungen und gesetzliche Anforderungen bei der Machbarkeitsanalyse berücksichtigt zum Beispiel Verträge, QSV etc.?
Normabschnitt 7.3 Entwicklung
  • Wird die Entwicklung in interdisziplinären Teams durchgeführt?

[Die Leseprobe endet hier]
PDFZertifizierung: Anforderungen und Ablauf
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Dipl.-Kff. Claudia Brückner

Dipl.-Kff., ist Inhaberin der Firma CBC Claudia Brückner Consulting. Das Unternehmen unterstützt als strategischer Partner Unternehmen bei der konsequenten Ausrichtung auf ihr Managementsystem. Dabei geht es stets um ganzheitliche Unterstützungsangebote im Bereich des Qualitätsmanagements wie Optimierung der Geschäftsprozesse durch Prozessmanagement, Einführung und Weiterentwicklung von Managementsystemen vornehmlich nach DIN EN ISO 9001:2000 ISO/TS 16949:2002,VDA 6.X. Projektleitung oder Coaching bei Zertifizierungsvorbereitungen, Überprüfung des Managementsystems oder einzelner Prozesse durch interne Audits. Das Portfolio wird abgerundet durch systembegleitende Schulungen. Die Referenzen reichen von Unternehmen der Automobilzulieferindustrie und Logistik über Telekommunikationsunternehmen bis hin zu Bildungsträgern und Unternehmen der technischen Dokumentation. Der Fokus des Unternehmens liegt vorwiegend auf mittelständischen Unternehmen, aber auch große Konzerne und Non-Profit-Organisationen zählen zu den Kunden. Claudia Brückner ist zudem Herausgeberin und Autorin von Fachbüchern zum Qualitätsmanagement.
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