Qm-Trends
Qualitätsmanagement für die Automobilindustrie
Grundlagen, Normen, Methoden     
Unternehmenserfolg durch Qualitätsmanagement
 
Claudia Brückner
 

Jedes Unternehmen sollte das Ziel verfolgen, seine Kunden mit hoher Qualität zufrieden zu stellen. Qualität ist nur mit einem strukturierten Qualitätsmanagement und einer durchdachten Qualitätspolitik zu erreichen.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • welche Bausteine für den Unternehmenserfolg wichtig sind,
  • wie Qualitätsmanagement in die Erfolgsbausteine eines Unternehmens integriert werden kann,
  • was TQM und QM verbindet.

 

Qualitätsmanagement stellt den Menschen in den Vordergrund

Im Fokus steht die Frage: Wie kann die Automobilindustrie trotz höherer Produktkomplexität, wachsender Modellvielfalt und immer kürzeren Produktentwicklungszyklen die steigenden Qualitätsanforderungen erfüllen?

Die Antworten sind vielfältig. Ein wichtiger Baustein dabei ist neben einer gut strukturierten Unternehmensführung ein gut durchdachtes und systematisch aufgebautes Qualitätsmanagementsystem.

Qualitätsmanagement ist eine Systemform, die sich stark von anderen Managementsystemen abhebt, da sie sich am Menschen orientiert und nicht den Fokus ausschließlich auf zum Beispiel Organisation, Technologie oder Finanzen richtet. Qualitätsmanagement stellt den Menschen in den Vordergrund. Dieser Aspekt lässt die Bedeutung von Qualitätsmanagementsystemen für den Zeitgeist und die Mitsprache des Menschen in diesem Jahrhundert so aktuell erscheinen.

Den Erfolg eines Unternehmens machen sicherlich in erster Linie qualitativ hochwertige Produkte aus. Aus der Sicht des Qualitätsmanagements bildet das jedoch nur das Ergebnis aus vielen vorgelagerten Tätigkeiten und Prozessen und der Arbeit eines jeden einzelnen Mitarbeiters.

Denn mit einer reinen Endkontrolle der Produkte innerhalb des Fertigungsprozesses ist es nicht getan. Sie ist einerseits zu teuer und andererseits werden viele Produkteigenschaften nicht berührt, wie zum Beispiel Kundenservice oder Termintreue.

Aus den oben dargestellten Ausführungen werden die Wichtigkeit und die Eingliederung des Qualitätsmanagements in die Erfolgsbausteine eines Unternehmens klar.

Die Bausteine werden im Folgenden kurz erläutert. Insbesondere wird dabei auf den Baustein Qualitätsmanagement eingegangen.

Baustein 1: Unternehmensstrategie

Dieser Baustein bildet das grundlegende Gerüst für ein Unternehmen und setzt sich aus mehreren Phasen zusammen.

  • Phase 1: Zielbildung
  • Phase 2: Analyse des Unternehmens
  • Phase 3: Analyse des Unternehmensumfeldes
  • Phase 4: Formulierung der Unternehmensstrategie
  • Phase 5: Implementierung, Bewertung und Verbesserung der Unternehmensstrategie

Abb. 1:

Bausteine für den Unternehmenserfolg

Baustein 2: Organisationsstrukturen

Die Anforderungen im Markt unterliegen einem immer schneller wechselnden Änderungsprozess. Aus diesem Grund sind die Unternehmen gefordert, innerhalb ihrer Strukturen schnell und flexibel reagieren zu können. Das erfordert einen Organisationsentwicklungsprozess, für den es auf allen Ebenen im Unternehmen eine klare Regelung gibt. Denn nur die Unternehmen können eine umfassende Qualität erreichen, die sich zu einer lernenden Organisation entwickeln.

Baustein 3: Qualitätsmanagement

Drei Parteien sind an einem erfolgreichen Qualitätsmanagement beteiligt:

  • der Kunde
  • das produzierende Unternehmen, insbesondere seine Mitarbeiter
  • der Zulieferer des Unternehmens

Den Ausgangspunkt bildet der Kunde. Denn nur wenn Kunden bereit sind, die Produkte eines Unternehmens zu kaufen, kann dieses erfolgreich sein.

Die Leistungsforderungen des Kunden können jedoch nicht ohne qualifizierte Mitarbeiter im Unternehmen, die über ein hohes Maß an Verantwortungs- und Qualitätsbewusstsein verfügen, erfüllt werden. Dies wird auch in dem Grundprinzip Mitarbeiterorientierung innerhalb des TQM angesprochen.

Das Unternehmen kann keine qualitativ hochwertigen Produkte herstellen, wenn die bestellten Rohstoffe, Halbzeuge, Fertigteile oder Baugruppen nicht den geforderten Bestellstandards entsprechen.

Schnell kommt man aufgrund dieser Betrachtungen zu einem Prozessmodell, welches die Verkettung zwischen den drei vorgenannten Parteien exakt darstellt. Dieses Prozessmodel liegt in ähnlicher Form der DIN EN ISO 9001 zugrunde, die die Grundnorm für alle relevanten weiterführenden Normen darstellt.

Abb. 2:

Prozessmodell in Anlehnung an DIN EN ISO 9001

Das Modell in Kürze

Der Kunde stellt seine Anforderungen an ein Produkt. Das Unternehmen setzt diese in seinem Unternehmen um. Dieses wird durch das »Geschehen« innerhalb des Kreises dargestellt. Hier laufen die Prozesse des Unternehmens ab. Die Ziffern innerhalb des Kreises geben die Nummern der Normenabschnitte der DIN EN ISO 9001 an. Über dem ganzen Modell liegt die ständige Verbesserung, die sich aus unternehmensinternen Erkenntnissen sowie aus Informationen aus der Messung der Kundenzufriedenheit ergibt.

Nachfolgend werden die Abschnitte der DIN EN ISO 9001 zusammengefasst dargestellt.

Im Abschnitt 0.1 wird Allgemeines zu einem QM-System gesagt. Abschnitt 0.2 erläutert den prozessorientierten Ansatz. Die Beziehung zur ISO 9004 wird in Abschnitt 0.3 und die Verträglichkeit mit anderen Managementsystemen in Abschnitt 0.4 dargestellt.

Abschnitt 1: Anwendungsbereich

Die Abschnitte 0 bis 3 enthalten grundsätzliche Informationen zu einem QM-System. Im Abschnitt 1 werden die Anforderungen an ein QM-System und des Anwendungsbereiches für die ISO 9001 erläutert. Weiterhin wird auf den Umgang mit möglichen Ausschlüssen eingegangen.

Abschnitte 2 und 3: Verweise und Anmerkungen

Normative Verweise werden in Abschnitt 2 und Anmerkungen zu Begriffen in Abschnitt 3 dargelegt.

Abschnitt 4: QM-System

Hier werden alle Anforderungen an die Dokumentation eines QM-Systems beschrieben. Grundlage des Prozessmodells ist der bekannte Demingkreis, auch Prozess der ständigen Verbesserung oder PDCA-Zyklus genannt. Es wird empfohlen, ihn auf alle Prozesse anzuwenden.

Der PDCA-Zyklus enthält folgende Schritte

  • Plan = Planen: Ziele und die gesamte Planung der Prozesse, die für das Erzielen der Ergebnisse, welche aus Kundenforderungen und der Unternehmenspolitik resultieren, müssen festgelegt werden.
  • Do = Durchführen: Etablierung und Ausführen der Prozesse
  • Check = Prüfen: Prozesse und Produkte müssen überwacht werden, ob die jeweiligen Ziele und Vorgaben auch eingehalten werden.
  • Act = Verbessern: Maßnahmen, die eingeführt werden, um die Leistung der Prozesse kontinuierlich zu verbessern.

Ein solcher prozessorientierte Ansatz setzt innerhalb einer Organisation folgende Sachverhalte voraus, die bekannt gemacht und bei allen Mitarbeitern verinnerlicht werden müssen:

  • Kundenforderungen sowie die Forderungen und Wünsche interessierter Parteien müssen verstanden werden
  • Die Bedeutung der Erfüllung oben genannter Anforderungen für ein Unternehmen

Abb. 3:

PDCA-Zyklus

Tabelle 1: Gegenüberstellung von strategischem und operativem Qualitätscontrolling

Aspekt

Strategisches Qualitätscontrolling

Operatives Qualitätscontrolling

Ausrichtung

Unternehmensstrategien

Taktische und operative Planung

Ziel

Langfristiges Ausschöpfen von Erfolgspotenzialen

Kurz- bis mittelfristige Gewinnmaximierung

 

Ableitung von Qualitätsstrategien

Festlegung von Qualitätszielen

Festlegung der Kenngrößen

Ermittlung und Festlegung von absoluten und relativen Kenngrößen

Ermittlung und Festlegung von entscheidungsrelevanten Qualitäts- und Kosteninformationen, Zuordnung zu den Unternehmensprozessen

Auswertung

Auswertung der Kenngrößen

Auswertung der Kenngrößen

Handlungsschwerpunkte

Bestimmung der Handlungsschwerpunkte

Bestimmung der Handlungsschwerpunkte

Maßnahmen

Durchführung von Maßnahmen

Durchführung von Maßnahmen

Bewertung

Bewertung der Qualitätsstrategie

Bewertung der Prozesse, bei denen Verbesserungsprojekte durchgeführt wurden

Kosten-kontrolle

 

Gegenüberstellung von Kosten der Maßnahmen und Einsparungspotenziale


[Die Leseprobe endet hier]
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Dipl.-Kff. Claudia Brückner

Dipl.-Kff., ist Inhaberin der Firma CBC Claudia Brückner Consulting. Das Unternehmen unterstützt als strategischer Partner Unternehmen bei der konsequenten Ausrichtung auf ihr Managementsystem. Dabei geht es stets um ganzheitliche Unterstützungsangebote im Bereich des Qualitätsmanagements wie Optimierung der Geschäftsprozesse durch Prozessmanagement, Einführung und Weiterentwicklung von Managementsystemen vornehmlich nach DIN EN ISO 9001:2000 ISO/TS 16949:2002,VDA 6.X. Projektleitung oder Coaching bei Zertifizierungsvorbereitungen, Überprüfung des Managementsystems oder einzelner Prozesse durch interne Audits. Das Portfolio wird abgerundet durch systembegleitende Schulungen. Die Referenzen reichen von Unternehmen der Automobilzulieferindustrie und Logistik über Telekommunikationsunternehmen bis hin zu Bildungsträgern und Unternehmen der technischen Dokumentation. Der Fokus des Unternehmens liegt vorwiegend auf mittelständischen Unternehmen, aber auch große Konzerne und Non-Profit-Organisationen zählen zu den Kunden. Claudia Brückner ist zudem Herausgeberin und Autorin von Fachbüchern zum Qualitätsmanagement.
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